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DSL langsamer durch neues Kabel

BronkoMonko schreibt am 07.03.2009 12:56 Uhr:
Hi,
ich habe zu Hause ein wenig renoviert und dabei meinen Telefonanschluss in einen anderen Raum verlegt. Ich habe das Kabel vom APL, also vom Hauptanschluss aus komplett neu verlegt und ein J-Y(ST)Y 1x2x0.8 Kabel verwendet Link.
Das alte Kabel war circa 50m lang, hatte einen Aderdruchmesser von 0,4 oder 0,6mm, hatte keine Schirmung und war 30 Jahre alt. Das neue Kabel ist dicker, geschirmt und nur noch 30m lang, trotzdem ist DSL langsamer. Das Modem zeigt mir eine Sync von 11000kbit/s an.



Einen Screenshot von der alten Leitung habe ich leider nicht, aber ich weiß dass die Sync dort circa 13000kbit/s betrug, die Dämpfung 0,5 bis 1db besser war und es keine Gaps gab. Habe alles richtig angeschlossen. Am APL sitzt alles richtig, habe es mal mit TAE und mal ohne probiert, verschiedene Splitter und Modems getestet. Immer dasselbe Ergebnis.
Wie kann das sein?
kiwiman schreibt am 07.03.2009 18:53 Uhr:
mit und OHNE TAE getestet
wie jez?
BronkoMonko schreibt am 07.03.2009 18:57 Uhr:
einmal hab ich das kabel an die tae angeschlossen und daran dann den splitter und einmal das kabel direkt an den splitter, ohne tae. machte aber keinen unterschied
Wattwurm schreibt am 14.03.2009 23:13 Uhr:
Hallo Bronko Monko!

Dein Problem ist wahrscheinlich der andere Wellenwiderstand Deines neuen Kabels.
Generell gilt: Eine verdrillte Zweidrahtleitung ist nicht sonderlich geeignet, hohe Frequenzen
zu übertragen. Um eine breitbandige Übertragung zu gewährleisten, muss der Weg zwischen
den Endgeräten (Modem bei Dir) und DSLAM in der Vermittlungsstelle im Idealfall über eine
Leitung mit definiertem Wellenwiderstand und entsprechenden Impedanzen der Endgeräte
überbrückt werden. So ein Idealfall ist z.B. das (unsymmetrische) TV-Kabel mit 75 Ohm Impedanz. Beim Telefon werden symmetrische Leitungen mit nominal 600 Ohm Wellenwiderstand benutzt. Wegen der Symmetrie ist eine Abschirmung nicht erforderlich. Ich vermute mal, Du hast es zu gut gemeint und nun ist die Kapazität Deines neuen Kabels einfach so hoch geworden, dass die höheren Anteile des ADSL-Spektrums quasi kurzgeschlossen werden. Dein Spektrum deutet darauf hin. Auch die Lücken im Spektrum wären durch unerwünschte Eigenresonanzen, die sich durch die Kombination der Induktivität und Kapazität des neuen Kabels ergeben, plausibel erklärbar. Wenn möglich, würde ich die Leitung wieder durch eine dem Original äquivalente verdrillte Zweidrahtleitung ersetzen, der Leitungsquerschnitt ist dabei bei 50m Länge relativ unwichtig, da nur geringe Ströme fliessen. Vielleicht hast Du ja noch einen Rest von dem alten Kabel quasi als Muster für eine
Neuanfertigung. Die Kabelenden kannst Du entweder verzinnen oder mit einer passenden
Aderendhülse überziehen, damit ein guter Kontakt zu den Schraub- bzw. Klemmanschlüssen
gewähleistet ist.

Einzelheiten zum Thema Wellenwiderstand findest Du z.B. hier:
http://www.elektronik-kompendium.de/service/news/Eintrag/1248

Viel Erfolg, kannst ja mal berichten!
Wattwurm schreibt am 14.03.2009 23:17 Uhr:
Nachtrag: Irgendwie ist mir beim Kopieren des Links ein Teil verlorengegangen.
Also nochmal:

http://www.elektronik-kompendium.de/service/news/Eintrag/1248

liest wahrscheinlich eh keiner ;-)
Wattwurm schreibt am 14.03.2009 23:22 Uhr:
Hi Bronko Monko!

Sorry, WimIP mag wohl keine URLs (oder ich bin zu blöd für Copy&Paste)

Google, wenn von Interesse, einfach mal unter den Stichworten

"Telefonkabel Wellenwiderstand 600 Ohm", dann sollte das auch klappen.

(Hoffe, ich habe nicht genervt)
BronkoMonko schreibt am 15.03.2009 13:11 Uhr:
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Kabel neu legen geht leider schlecht, aber ich werde mal genau sehen was ich tun kann.
Können Doppeldrosseln helfen die Leitung zu entstören?
Wattwurm schreibt am 17.03.2009 19:40 Uhr:
Hi Bronko Monko!

Zunächst mal muss ich mich korrigieren. Dein neues Kabel hat lt. Spezifikation einen Wellenwi-
derstand von 100 Ohm +/- 20% (zwischen 4 und 16 MHz). Da beim DSL Spektrum mit 100 Ohm
Impedanz gearbeitet wird (hier hatte ich irrtümlich die 600 Ohm der alten NF-Fernsprechtechnik
angesetzt), ist eine Fehlanpassung eigentlich nicht gegeben. Trotzdem ist das so eine Sache:
Bei diesen Telefonkabeln ist der Wellenwiderstand nicht so frequenzunabhängig wie z.B. bei
Koaxkabeln. Werte für den für DSL typischen Frequenzbereich >100 KHz ... 2 MHz b. DSL16000
habe ich nirgendwo gefunden. Tatsache bleibt: Je höher die Frequenz und je grösser die Abwei-
chung des Wellenwiderstandes vom Sollwert, desto mehr wird das Signal beeinflusst.
Der starke Abfall Deines Spektrums von ca. 8 dB am Bandende zeigt ja, dass hier irgendetwas faul ist.

Es würde zu weit führen, auf die Hintergründe einzugehen, aber prinzipiell transformiert eine Leitung bei einer bestimmten Frequenz die Impedanz abhängig von ihrer Länge und zwar am
stärksten bei Leitungslängen, die einem ungeradzahligen Vielfachen von Lambda/4 entsprechen. Das wäre bei 2 MHz eine Länge von ca. 37.5, 112.5 Metern etc. und am wenigsten bei einer Länge von einem Vielfachen von Lambda/2, also im Beispiel 2 MHz 75,150 m usw. Es kann daher gut sein, dass Deine Leitungslänge von vorher 50m+Leitungslänge zur Vermittlungsstelle näher an einem Vielfachen von Lambda/2 lag als jetzt.
Daher wäre es einen Versuch wert, die 30m lange neue Leitung zu verlängern, evtl. hast Du ja
noch ca. 20m Rest von dem J-Y(ST)Y Kabel übrig. Wenn Du das zu einem Ring mit vielleicht 30cm Durchmesser aufwickelst, erhältst Du auch eine gewisse Drosselwirkung.
Die Doppeldrosseln, die Du erwähnst, können manchmal helfen, wenn aufgrund von Unsymmetrien im an sich symmetrischen Kabel Störspannungen induziert werden. Sowas
passiert schon mal, wenn das Kabel sehr nah parallel z.B. an einer Stromleitung verlegt wurde.
Schreibe auch bitte mal, wo Du die Abschirmung angeschlossen hast. Ich würde sie in der Nähe des Modems mit dem Schutzleiter der Stromversorgung verbinden, also z.B. mit dem Gehäuse eines in der Nähe liegenden Gerätes, das über ein 3-adriges Kabel mit Schukostecker am Netz angeschlossen ist. Alternativ kann sie auch in der Nähe des Telefon-
verteilers an evtl. vorhanden Potenzialausgleich oder eine andere Erdung gelegt werden. Aber bitte nur entweder/oder, da sonst wg. unterschiedlicher Potenziale wieder Ströme in der Abschirmfolie fliessen, die zu neuen Störungen führen können.

Über die zusätzliche Dämpfung des längeren Kabels würde ich mir übrigens keine Gedanken machen, entscheidender für eine schnelle Verbindung sind der Störabstand und die Linearität des Spektrums.

Letztlich kann man aus der Ferne kein Patentrezept angeben, aber ich hoffe, Du kommst bald
zum Ziel. Viel Erfolg!
BronkoMonko schreibt am 23.03.2009 10:34 Uhr:
Danke, sobald ich Zeit habe, werde ich es ausprobieren.
markust schreibt am 01.06.2009 23:17 Uhr:
Zur Entstörung von grenzwertigen oder instabilen Leitungen hilft oft eine Doppeldrossel.

Für alle, die ihre Doppeldrosseln nicht selber basteln wollen, gibt es jetzt bei Ebay bzw. Auvito ein fertiges Kit. Einfach dort mal nach "DSL Doppeldrossel" suchen.

Hat bei mir deutlich geholfen, obwohl meine Leitung gar nicht so schlecht ist. Ca. 1Mbps mehr Datenrate (von 8Mbps auf 9Mbps) und deutlich weniger Verbindungsabbrüche...

Grüsse,
Markus
kritiker schreibt am 03.06.2009 13:44 Uhr:
Hallo zusammen,

ich hatte von gestern abend bis heute morgen einen totalen Ausfall meiner DSL-Verbindung.
Ein Anruf bei der Hotline, ich bin übrigens bei 1&1, hatte zur Folge, dass ich nach ca. 5min. Wartezeit einen sehr kompetenten und freundlichen Techniker an der Strippe hatte. Der hat meine Leitung durchgemessen und kam zu dem Schluss, dass bei mir zwischen TAE-Dose und FritzBox etwas oberfaul sei. Nach einigen Fragen stellte sich heraus, dass ich meine Anschlussleitung zwischen TAE-Dose und FritzBox mittels handelsüblichem TAE-Verlängerungskabel verlängert habe, um mein Arbeitszimmer zu erreichen. Dieses Verlängerungskabel ist lt. Auskunft des Techniker denkbar schlecht geeignet, da es in keinster Weise abgeschirmt und somit sehr empfindlich für Einstrahlungen durch Elektrogeräte ist. Nun hatte ich gestern einen Standventilator mit Fernberdienung in der Nähe der TAE-Dose und somit auch des Kabels aufgestellt. Diesen habe ich sofort entfernt und der Anschluss klappte wieder wie früher. Vielleicht hilft das dem Einen oder Anderen hier ei wenig.

einen schönen Tag wünscht
Kritiker
umbi schreibt am 04.01.2019 04:55 Uhr:
Hallo Kritiker

Musste gerade schmunzeln, habe ähnliches erlebt.
Mein DSL Anschluss ist in der Waschküche. Von da geht ein ungeschirmtes Kabel (10Meter) zur Fritzbox. Alles lief alles perfekt, bis meine Frau einen Luftentfeuchter, der mittels Hydrostat an und ausgeht, in Betrieb genommen hatte. Ab dato hatte ich ständig Verbindungsabbrüche. Entfeuchter ausgesteckt und alles geht. Bis ich dies aber rausgefunden habe, vergingen fast 3 Tage ohne Internet. Ich hab selbst die Fritz getauscht.

Jetzt habe ich mir mal ein geschirmtes Cat 6 kabel geholt, mit welchem ich auf die Fritz gehe und hoffe, so vDSL und Entfeuchter in Betrieb nehmen zu können.

Luftenfeuchter um aufgehängte Wäsche schneller zu trocknen ist halt schon auch praktisch :-)

Greez
umbi